Handball: „Weißrussland“ spielt starke Europameisterschaft

9. Januar 2020

 

Am vergangenen Wochenende reiste unsere D-Jugend nach Hannover zur traditionellen Mini-Handball-EM 2020. In dem in Deutschland einzigartigen Jugendhandballturnier vertrat  unser Team das Land Weißrussland, welches in einem Losverfahren im Vorfeld ermittelt wurde. Am Start waren 24 der stärksten D-Jugendmannschaften aus 10 Bundesländern. Die Besonderheit in diesem Turnier ist die einzigartige Länderspielstimmung durch die durchweg landestypisch verkleideten Fans. Unsere Spieler selbst spielten natürlich auch in den weißrussischen Trikots und lauschten vor jedem Spiel mit voller Stolz der "eigenen" Nationalhymne. Gänsehaut vor jedem Spiel war so garantiert, auch wegen der ca. 1000 Zuschauer!

 

Innerhalb einer erlesenen Auswahl von bundesdeutschen Topteams war unsere erfolgsgewohnte aber auch stets erfolgshungrige Truppe gespannt, herauszufinden, wo genau wir uns leistungsmäßig einordnen müssen.

 

Der erste Schock wartete gleich bei Anreise, denn unser Spitzentorwart Moritz K. reiste mit einem starken Infekt an und legte sich erstmal eine Runde schlafen, um für den nächsten Tag gerüstet zu sein.

 

Nach einer aufregenden Players Night ohne Torwart am Eröffnungsabend inkl. Poolparty starteten nach einem ausgiebigen Frühstück im 4-Sterne-Mannschaftshotel Leonardo am Samstag um 9:45 Uhr die Spiele in der Sporthalle Hannover-Anderten. Der Zufall ergab, dass Weißrussland (wir) und Kroatien, hinter denen der aktuell 4. der Pfalzliga HSG Dudenhofen/ Schifferstadt steckte, das Turnier in Gruppe A eröffnen durften.

 

Die atemberaubende Partie mit unserem halbwegs wiederhergestellten Torwart endete nach 15 Minuten 8:7 für unsere Jungs aus Weißrussland. Insbesondere dem Spiel über die Kreismittelposition, aus der Kennet nach hervorragenden Zuspielen von Jonas und Jakob 4 Tore gelangen, waren die Kroaten nach eigenen Angaben nicht gewöhnt.

 

Es folgte ein klares 13:2 gegen Montenegro in einem temporeichen Spiel, in welchem sich vor allem Tim technisch stark verbessert präsentierte, und so war bereits vor dem letzten Gruppenspiel gegen den großen Turnierfavoriten Serbien (AMTV Hamburg) mit der Hauptrundenqualifikation das Minimalziel erreicht. Gegen die körperlich haushoch überlegenen Serben kämpften unsere diesmal in Grün spielenden Jungs tapfer, verloren jedoch 6:11.

 

In der 6 Teams zählenden Hauptrunde der jeweils zwei Erstplatzierten der Gruppen B und C trafen wir zunächst auf Spanien. Trotz vieler vergebener Chancen und einer plötzlich kaputten Anzeigetafel ohne sichtbaren Spielstand und verbleibender Zeit stand das Spiel dennoch 4min vor Schluss unentschieden, bevor dann Weißrussland mit 3 x 2 Minuten gnadenlos von den Schiedsrichtern bestraft wurde. Sehr hart für das Team, denn im 4 gegen 6, gerieten sie schnell in einen 2-Tore-Rückstand, welcher leider bis zum Schlusspfiff beim 8:10 Bestand hatte. Der ca. 1min vor Abfiff erzielte Anschlusstreffer von Wilzon zählte nicht wegen eines Stürmerfauls, welches aber außer den Unparteiischen niemand gesehen hatte. Der nicht unmögliche Traum vom Halbfinale war nun allerdings ausgeträumt, da bereits zwei Niederlagen gegen Serbien und Spanien zu Buche standen.

 

Nächster Gegner in der Hauptrunde war die ganz in Gelb gekleidete Ukraine. Im wieder sehr engen Spiel musste Weißrussland mit Willi auf einen unserer Leistungsträger aus gesundheitlichen Gründen verzichten. Wilzon vertrat ihn aber ganz hervorragend und so konnten die Jungs um den weißrussischen Kapitän Jakob einen Rückstand noch kurz vor Schluss in ein 9:9 verwandeln.

 

Es folgte das wohl beste und auch für Samstag letzte Turnierspiel, in welchem Lettland, das Team mit dem als besten Torhüter ausgezeichneten Schlussmann mit 13:8 bezwungen wurde. Ausgerechnet gegen den fand aber unser Linksaußen Justin jedoch wieder zu alter Wurfstärke zurück und traf mehrere Male. Aber auch dieses Spiel stand nach einer Aufholjagd der flinken Letten kurz vor der Wende, bevor Linus mit seinen zwar einzigen aber umso wichtigeren Turniertor die Weißrussen wieder auf die Siegerstraße brachte.

 

Witzig war, dass im Prinzip niemand wirklich wusste, welche Vereine gerade auf der Platte standen. Man sprach nur von den favorisierten Serben, den schnellen Bosniern, die großen Polen aber eben mit zunehmender Turnierdauer auch von den kampfstarken Weißrussen, die mit ihrer defensiven Deckung, in der jeder für den anderen kämpfte, schwer zu bezwingen waren.

 

Nach einer weiteren durchgefeierten Nacht (natürlich nur für die Eltern, welche in den Geburtstag von Rechtsaußen Nick tief hinein feierten) bestand am Sonntag im letzten Hauptrundenspiel gegen Österreich sogar noch die Chance auf Hauptrundengruppenplatz 3. Hierzu brauchten wir einen Sieg mit nur einem Tor. Leider kippte in einem an Dramatik nicht mehr zu überbietenden Krimi die ständige Führung kurz vor Schluss in ein Unentschieden. Und zu allem Unglück fand dann auch noch der letzte, allerdings statistisch unwichtige Freiwurf der ebenfalls aufopferungsvoll kämpfenden Österreicher den direkten Weg ins Tor. Endstand: 8:9 gegen Österreich.

 

Plötzlich fanden wir uns im Spiel um Platz 9 statt um Platz 5 wieder. Leider lagen bei diesem Turnier Halbfinaleinzug und Platz 10 nur 2 bis 3 geworfene Tore in der Hauptrunde auseinander. So ist Handball eben.

 

An dieser Stelle gebührt der Dank aber eindeutig dem „Minsker“ Trainergespann Marko Zibell/ Max Walter, denen es in gut einem Jahr gelungen ist, unser Team auf das Spitzenniveau zu bringen, welches notwendig war, um bei dieser Veranstaltung komplett auf Augenhöhe mitzuspielen. Die allesamt knappen Ergebnisse vom Wochenende inkl. des positiven Gesamttorverhältnisses (+10) gegen durchweg Spitzenmannschaften ihrer Landesverbände sprechen dabei eine klare Sprache. 4 Siege, 1 Unentschieden, 3 knappe Niederlagen, u.a. gegen die späteren beiden Finalisten aus Spanien und Serbien.


Großes Kino dann nochmals im letzten Spiel gegen Polen. Moritz B. und Linus sorgten hier auf den Außenpositionen für reichlich Bewegung im Spiel. Der Höhepunkt war jedoch das durch Torwart Moritz K. und Kennet über die schnelle Mitte eingeleitete wunderschöne Siegtor von Kapitän Jakob 1 Sekunde vor dem Abfiff zum 9:8! Ein grandioser und würdiger Abschluss für Trainer, Spieler und die mitgereisten Fans.

 

Unsere Bilanz:

 

8:7 vs. Kroatien 

13:2 vs. Montenegro 

6:11 vs. Serbien 

8:10 vs. Spanien 

9:9 vs. Ukraine 

13:8 vs. Lettland 

8:9 vs. Österreich

9:8 vs. Polen

 

Europameister wurde am Ende allerdings nicht Serbien sondern überraschend mit Spanien (TV Hochdorf) ein Team, gegen welches wir nur knapp und denkbar unglücklich in der Hauptrunde verloren.

 

Verein und Eltern können megastolz auf die Leistung ihrer Jungs bei diesem hohen Turnierniveau sein und die Trainer werden zudem wichtige Schlüsse für die künftige Trainingsarbeit im Hinblick auf die anstehende Landesmeisterschaft ziehen.

 

Weißrussland, das waren: Jakob Walter, Jonas Pfeiffer, Justin Hartung, Kennet Stabe, Linus Marquardt, Moritz Berndt, Moritz Kapinos (TW), Nick Laußmann, Willi Schulz, Tim Papenfuß, Wilzon Kaufmann,

 

(FS)